Alle 10 Jahre wird eine Landwirtschaftszählung durchgeführt

Mit der Landwirtschaftszählung führen die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder im Abstand von zehn Jahren eine aktuelle Bestandsaufnahme der deutschen Landwirtschaft durch.

Im Februar 2020 startete die Erhebungsphase der Landwirtschaftszählung 2020. Die rund 265 000 Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland haben zum ersten Mal nach 2010 wieder im Rahmen einer Landwirtschaftszählung detailliert Auskunft über ihre Betriebe gegeben. Erste vorläufige Ergebnisse aus dieser Erhebung liegen vor, mit denen strukturelle Veränderungen in der Agrarwirtschaft im Zeitraum 2010 bis 2020 dargestellt und Fragen zur grundsätzlichen Ausrichtung des Agrarsektors beantwortet werden können.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Betriebsstrukturen, die Entwicklung der Tierbestände und die Haltung der Tiere, Veränderungen der Anbaustrukturen, die Entwicklung des ökologischen Landbaus, Arbeitskräftestrukturen und zusätzliche Tätigkeiten, mit denen sich die landwirtschaftlichen Betriebe neben der Primärproduktion ein Zusatzeinkommen verschaffen, um ihr Auskommen zu sichern, sowie die Hofnachfolge in den landwirtschaftlichen Betrieben.

Die Menschen in Deutschland beschäftigen sich in ihrem Alltag immer häufiger mit Fragen rund um das Thema Landwirtschaft. Die Frage, wo Lebensmittel herkommen, wie sie produziert werden und welche Begleiteffekte dadurch entstehen, wird sowohl auf breiter gesellschaftlicher Ebene als auch in der Politik diskutiert. Es wird deutlich, dass sich der Sektor Landwirtschaft in einem grundlegenden Wandel befindet. Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse der amtlichen Statistiken interessant.

Veränderungen in der deutschen Landwirtschaft

Der bereits festgestellte Strukturwandel in der Landwirtschaft hält weiter an. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ist weiterhin rückläufig. Seit der Landwirtschaftszählung 2010 ging die Anzahl der Betriebe um 35 600 auf etwa 263 500 zurück (12 Prozent weniger). Diesem fortlaufenden Rückgang der Betriebszahlen steht ein Anstieg der durchschnittlichen Betriebsgröße entgegen.

Betriebe mit Tierhaltung

Zum Stichtag 1. März 2020 wurden in 167.900 landwirtschaftlichen Betrieben Tiere gehalten - anteilig sind das 64 Prozent aller Betriebe, 9 Prozent weniger als 10 Jahre zuvor. Die Zahl der tierhaltenden Betriebe insgesamt ging in diesem Zeitraum um 22 Prozent zurück. Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang bei den Betrieben mit Schweinehaltung, deren Zahl sich in den vergangenen zehn Jahren um 47 Prozent auf 32.100 reduzierte. Der Schweinebestand hingegen ging im gleichen Zeitraum lediglich um 4 Prozent auf 26,6 Millionen Tiere zurück.

Bei den Haltungsverfahren sind folgende Entwicklungen besonders zu beachten:

Anbindehaltung bei Rindern

In den landwirtschaftlichen Betrieben gab es am 1. März 2020 insgesamt 11,4 Millionen Stallhaltungsplätze für Rinder. Mit 83 Prozent aller Haltungsplätze war hier die Laufstallhaltung vorherrschend. Bei der Anbindehaltung gab es im Vergleich zu 2010 einen Rückgang um 62 Prozent von insgesamt 27 Prozent im Jahr 2010 auf 10 Prozent im Jahr 2020. Von den Betrieben mit Anbindehaltung betrieben 52 Prozent auch Weidehaltung. Dagegen hielten 48 Prozent der Betriebe die Rinder ganzjährig in Anbindehaltung.
In der Milchkuhhaltung war der Laufstall mit 87 Prozent der Haltungsplätze ebenfalls die vorherrschende Haltungsform.

Haltungsformen bei Legehennen

Die Legehennenhaltung dient der Eierproduktion und hat sich im vergangenen Jahrzehnt ebenfalls verändert. Die Freilandhaltung von Legehennen hat seit 2010 deutlich zugenommen, und zwar von 7,1 Millionen auf 18,9 Millionen Haltungsplätze im Jahr 2020.
Die verbreitetste Haltungsform ist nach wie vor die Bodenhaltung. Im Jahr 2010 war diese Haltungsform mit 28,1 Millionen Haltungsplätzen bereits die Haltungsform mit der größten Bedeutung, in den vergangenen zehn Jahren haben die Kapazitäten in der Bodenhaltung noch einmal deutlich zugenommen und mit 39,9 Millionen Haltungsplätzen 2020 einen neuen Höchstwert erreicht.
Käfighaltungsplätze wurden abgebaut: Ihre Zahl sank von 7,3 Millionen Haltungsplätzen in 2010 auf 2,7 Millionen Plätze in 2020. Ein wesentlicher Grund hierfür liegt im Verbot und der nahenden Auslauffrist dieser Haltungsform im Jahr 2025.

Ökologischer Landbau

9,6 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland wurde 2020 ökologisch bewirtschaftet. Im Jahr 2010 lag der Anteil noch bei 5,6 Prozent. Knapp 26.400 Betriebe wirtschafteten 2020 nach den Regeln des ökologischen Landbaus, das sind 10 Prozent der Betriebe insgesamt (2010 waren das noch 6 Prozent). In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Betriebe mit ökologischer Tierhaltung um 43 Prozent auf rund 17.500 gestiegen. Diese Betriebe machen einen Anteil von 10 Prozent an allen tierhaltenden Betrieben aus. 8 Prozent des gesamten Rinderbestandes in Deutschland werden ökologisch gehalten, beim Geflügel sind es 5 Prozent und bei den Schweinen nur knapp 1 Prozent.

Weitere Informationen

Es liegen noch nicht alle Einzelergebnisse vor, sodass noch nicht alle Daten hier auf dem Portal aktualisiert werden können. Wenn die Zahlen vorliegen, das wird voraussichtlich im Mai 2020 sein, werden die Zahlen aktualisiert.

Eckdaten zur Geflügelhaltung in Deutschland

Eckdaten zur Rinderhaltung in Deutschland

Eckdaten zur Schweinehaltung in Deutschland

Pressemitteilung: Pressekonferenz "Landwirtschaft im Wandel – erste Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020"

Legehennenbetrieb mit Freilauffläche
Die Freilandhaltung von Legehennen hat seit 2010 deutlich zugenommen, und zwar von 7,1 Millionen auf 18,9 Millionen Haltungsplätze im Jahr 2020, Quelle: BLE