Der Hering ist Fisch des Jahres 2022

Wie bereits im Jahr 2021 ist auch 2022 die Wahl zum Fisch des Jahres auf den Hering gefallen. Mit der Wahl zum Fisch des Jahres sollen der Hering und seine Gefährdung verstärkt Aufmerksamkeit erhalten. Ebenso möchten die Verbände, die den Fisch des Jahres küren, auf die bedrohte biologische Vielfalt im Meer aufmerksam machen und auf schädigende Einflüsse des Menschen auf die Lebensräume der jeweiligen Fische hinweisen. Gewählt wird der Fisch des Jahres vom Deutschen Angelfischerverband (DAFV) in Abstimmung mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST). Aufgrund der Corona-Pandemie im Jahr 2021 war es nicht möglich, dem Hering die Aufmerksamkeit und Anerkennung zukommen zu lassen, die dieser Fischart gebührt. Daher wurde der Hering im Jahr 2022 erneut Fisch des Jahres.

Der atlantische Hering ist eine Schwarmfischart mit silbrigem Schuppenkleid, der von der Ostküste Nordamerikas über die Gewässer des Nordostatlantiks bis zur Nordsee und Ostsee vorkommt. Die Schwärme können mehrere Tausend Fische umfassen. Er kann eine maximale Länge von 45 Zentimetern und ein Gewicht bis zu einem Kilogramm erreichen, bleibt aber mit etwa 30 bis 35 Zentimetern und einem Gewicht von 120 bis 200 Gramm meist deutlich kleiner.

Heringe leben im Freiwasser der Meere und halten sich meist in Tiefen von 150 bis 350 Metern auf. Abends wandern sie zur Nahrungsaufnahme an die Oberfläche. Heringe ernähren sich überwiegend von Kleinkrebsen, die sie aktiv jagen. Sie können aber auch zum Filtrieren übergehen, wenn die Nahrungsdichte hoch ist. Heringe können sehr gut hören und werden durch laute Geräusche verscheucht. Sie sind als Beute vieler Meerestiere für das Ökosystem im Meer von großer Bedeutung.

Wirtschaftliche Bedeutung

In Deutschland spielt der Hering bei den Anlandungen der Hochsee- und Küstenfischerei eine dominierende Rolle. 2020 war der Hering auf Platz zwei der Top 5 der angelandeten Fischarten: Blauer Wittling (22,9 Prozent), Hering (19,4 Prozent), Makrele (13,6 Prozent), Sprotte (10,4 Prozent) und Pilchard-Sardine (6,3 Prozent). Und von den 20.066 Tonnen (Anlandegewicht) an verkaufter Ware fielen die Hauptmengen auf Speisekrabben (35,2 Prozent) und Hering (30,3 Prozent).

Bedeutung für die Freizeitfischerei

Auch für die Freizeitanglerinnen und -angler hat der Hering eine große Bedeutung. Im Frühjahr sind zahlreiche Angler an der Ostseeküste zu finden, um die laichbereiten Fische zu fangen. Auch per Boot und Kutter sind Freizeitangler dann unterwegs, um gezielt die Schwärme anzufahren. Massenfänge von mehreren hundert Stück pro Tag sind durchaus möglich. Das Heringsangeln ist ein Saisongeschäft, das bis etwa Mitte Mai dauert. Im Herbst befischen einige Anglerinnen und Angler noch die kleineren Herbstschwärme.

Im Jahr 2015 könnte die durch deutsche Ostsee-Angler entnommene Gesamtfangmenge Hering knapp 730 Tonnen betragen haben (6,6 Millionen Fische). Seither dürften die Anglerfänge jedoch deutlich abgenommen haben. Im Jahr 2015 führte das Thünen-Institut für Ostseefischerei eine repräsentative Telefonbefragung der deutschen Bevölkerung durch. Diese hat ergeben, dass an der Ostsee ca. 161.000 deutsche Meeresangler aktiv sind, von denen rund 50.000 auf Hering zielen. Viele dieser Angler stammen nicht von der Küste, sondern reisen als Tagestouristen teilweise von weit her an. Viele Anglerinnen und Angler sind an der Natur interessiert und unterstützen die Wissenschaft, indem sie biologische Daten der Angelfänge (Länge, Gewicht) und Proben gefangener Heringe bereitstellen. Auf diese Weise helfen sie mit, die Kenntnisse zu Bestands- und Altersstrukturen zu verbessern (Citizen Science).

Im Rahmen der Studie "Angeln in Deutschland" ist 2021 die europaweit größte Telefonbefragung angelaufen, für die 150.000 Haushalte kontaktiert werden. Die Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft soll dabei helfen, die Nutzung der Fischbestände, die Rolle des Angelns in der Gesellschaft und seine wirtschaftliche Bedeutung besser zu verstehen. Die Befragung läuft bis Mitte 2022. Mit ersten Ergebnissen ist in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen.

Hering ist beliebter Speisefisch

Hering ist in Deutschland ein beliebter Speisefisch. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch insgesamt lag in Deutschland in den letzten Jahren zwischen 13 und 16 Kilogramm. Dabei hat Hering einen Anteil von etwa 9 Prozent am Verzehr und steht damit an vierter Stelle der wichtigsten Fischarten auf dem deutschen Markt. Dieser Anteil sinkt allerdings seit Jahren, vor allem junge Menschen interessieren sich weniger für diesen Fisch. Dabei weisen Heringe einen hohen Eiweißgehalt auf, sind fettreich mit günstiger Fettsäuren-Zusammensetzung und haben hohe Gehalte an den Spurenelementen Iod und Selen. Ein erheblicher Teil der angelandeten Heringe wird zu Fischkonserven verarbeitet, darüber hinaus werden auch zahlreiche Spezialitäten wie Matjes, Rollmops oder Bückling angeboten.

Rückgang des Bestandes und Klimawandel

Neben der gewerblichen Fischerei stellt vor allem der Klimawandel und die damit einhergehende Erwärmung der Ostsee einen der Hauptgründe für die schwindenden Heringsbestände dar. Wärmeres Wasser lässt die Heringe immer früher im Jahr ablaichen sowie die Larven schneller schlüpfen. Zu dieser Zeit ist jedoch die Nahrungsgrundlage, das Zooplankton (Kleinkrebse), noch nicht in ausreichender Menge und verzehrbarer Größe für die Heringslarven verfügbar. Dies ist erst der Fall, wenn die Tage länger werden. Da die Heringslarven nun früher da sind, verpassen sie somit das überlebenswichtige Zooplankton. Durch abnehmende Heringsbestände sind auch weitere Auswirkungen auf das Ökosystem Ostsee zu erwarten, da der Hering nicht nur ein Konsument, sondern ebenfalls eine wichtige Nahrungsgrundlage für weitere Arten wie Dorsche, Robben oder Schweinswale in diesem Gewässersystem ist.

In einer Multimediareportage erklärt das Thünen-Institut, was der Klimawandel mit dem Rückgang des Heringsbestands der westlichen Ostsee zu tun hat und wie die Wissenschaft das herausgefunden hat.

Thünen erklärt: Der Hering in der Klimafalle

Weitere Informationen

Broschüre Fisch des Jahres 2021/2022

Dossier des Thünen-Instituts: Der Hering

Video des Bundeslandwirtschaftsministeriums: Fischerei in Deutschland - Verantwortliche Nutzung natürlicher Ressourcen

Landwirtschaft.de: Fisch - Etwa 15 Kilogramm Fisch und Fischereiprodukte verzehrt jeder Deutsche jährlich

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Berichte über die Anlandungen von Fischereierzeugnissen

Zeichnung eines Herings auf weißem Hintergrund
Der Hering hat eine große Bedeutung für die Wirtschaft, für die Freizeitfischerei und als Speisefisch - aber auch als Beute vieler Meerestiere für das Ökosystem im Meer, Quelle: v_paulava - adobe.stock.com