Massentierhaltung - das Reizwort

Was verbirgt sich hinter dem Begriff "Massentierhaltung"?

Der Begriff "Massentierhaltung" taucht in Deutschland erstmals 1975 auf. Zu diesem Zeitpunkt wurde eine "Verordnung zum Schutz gegen die Gefährdung durch Viehseuchen bei der Haltung von Schweinebeständen" veröffentlicht. Diese Verordnung wurde auch als "Massentierhaltungsverordnung" bezeichnet. Sie galt für Bestände ab 1.250 Schweine. Solche Betriebe mussten besondere Hygiene-Anforderungen erfüllen.

Seit 1999 trägt diese Verordnung den Namen "Schweinehaltungshygieneverordnung", der Begriff "Massentierhaltung" hat sich jedoch gehalten. Heute wird er vor allem von Tierschützerinnen und Tierschützern sowie den Medien verwendet, um auf die - aus ihrer Sicht - Missstände moderner Produktionssysteme mit intensiver Tierhaltung hinzuweisen.

In der öffentlichen Diskussion werden häufig große Tierhaltungsbetriebe allein wegen ihrer Größe als weniger tiergerecht eingestuft. Doch wie steht es tatsächlich um die Behauptung, große Tierhaltungsbetriebe seien weniger tiergerecht? Warum sollen große Tierhaltungen schlecht sein, wenn es dem einzelnen Tier gut geht.

Was sagt der Landwirt zum Begriff Massentierhaltung?

Bei einem Dialog zwischen Landwirten und Verbraucherinnen und Verbrauchern wurde die folgende Frage an einen Schweinehalter gestellt: "Das ist ja eigentlich eine Definitionsfrage, Sie halten 3.000 Tiere, ab wann handelt es sich aus Ihrer Sicht um Massentierhaltung?"

Auf diese Frage antwortete der befragte Landwirt, dass er sich teilweise auch so vorstellen würde, dass er auch ein Massentierhalter sei. Leider sei der Begriff negativ besetzt. Der Landwirt erklärte: "Aber ich kümmere mich um jedes Tier, und ich kann mich bei der Größenordnung um jedes einzelne Tier kümmern. Und die Schweine in der Bucht, die mit 10 bis 12 Tieren zusammenstehen, die wissen ja gar nicht, das da noch so viele weitere in den anderen Stallteilen stehen." Weiter erläuterte der Landwirt, dass es sich um eine gute Größenordnung handele, um da auch Geld mit zu verdienen und um eine Familie damit zu ernähren, also drei Generationen arbeiten mit und leben davon.

Was sagt das Bundeslandwirtschaftsministerium?

Nach Meinung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ist ein Zusammenhang zwischen Tierwohl und Bestandsgröße wissenschaftlich nicht belegbar. Nicht die Betriebsgröße sei ausschlaggebend für die Tiergerechtigkeit der Produktionsweise, sondern vor allem das Können und das Engagement der Tierhalterinnen und -halter, so das BMEL.

Was sagt die Wissenschaft?

Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) der Bundesregierung stellt fest, dass es bislang nur sehr wenige wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema gibt. Die vorliegenden Studien, so der WBAE, würden jedoch nahelegen, dass andere Faktoren wie das Management und auch die Zucht einen sehr viel größeren Einfluss auf das Tierwohl haben als die Bestandsgröße. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schließen aber auch nicht aus, dass es bei einzelnen Aspekten des Tierwohls einen Einfluss der Bestandsgröße geben kann.

Kurzfilm zum Thema Massentierhaltung

Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) hat einen kurzen Film mit dem Titel "Reizwort Massentierhaltung" veröffentlicht. Sehen Sie selbst auf dem BZL-YouTube-Kanal:

BZL-Film: Reizwort Massentierhaltung - Hat die Betriebsgröße Einfluss aufs Tierwohl?

Weitere Informationen

Landwirtschaft.de: Reizwort Massentierhaltung

 

Dusche im Schweinestall
Wenn im Stall das Wasser von oben herabsprenkelt, kommen die Schweine neugierig heran, Quelle: BLE
Kühe im Stall, Blick vom Futtertisch aus
Blick in den Milchkuhstall, Quelle: BLE