Stallneubau für die Familienhaltung von Schweinen

Ohne Kastenstand, ohne Schwanzkupieren, ohne Kastration und mit machbarem Umweltschutz: Diese Ziele in der Schweinehaltung verfolgt Landwirt Remmert schon seit einigen Jahren. Und nun können bei ihm die Schweine in einen neuen Stall einziehen.

Betriebsleiter Ralf Remmert hat sein gesamtes System hinterfragt und hat sich entschieden, die Familienhaltung bei Schweinen zum Ziel zu machen. Hinter allem steht die Familiengruppe, die fest zusammenbleibt. Das Tier wird in den Mittelpunkt gerückt und die Haltung soll sich an den Bedürfnissen der Tiere orientieren. Die unterschiedlichen Haltungsbereiche wie sie bisher überwiegend in der konventionellen Landwirtschaft praktiziert werden, werden bei ihm aufgelöst. Das Stallkonzept dient dem Ziel, die Schweine von der Geburt bis zur Schlachtreife in ein und derselben Gruppe in einem Stallbereich zu halten. Geschäftsführer Ralf Remmert hat das neue Haltungskonzept bereits in einigen Stallbereichen längere Zeit erfolgreich getestet und das System auch anderen Praktikerinnen und Praktikern vorgestellt.

Die Stallbereiche für die Schweine sind ohne Spaltenboden konzipiert, d.h. im Boden befinden sich keine Schlitze, durch die der Kot durchgetreten wird. Die Stallbereiche sind strukturiert, in einem Liegebereich bietet Einstreu mehr Komfort für die Tiere, arbeitswirtschaftlich ist das allerdings Mehraufwand, der vom Team auf dem Betrieb zu händeln ist. In der Endmastphase steht jedem Tier 1,2 Quadratmeter Platz zur Verfügung, nach gesetzlichem Standard müssen einem 50 bis 110 Kilogramm schweren Mastschwein mindestens 0,75 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Im Kotbereich sorgen spezielle Kotbänder für eine Kot-Harn-Trennung, was zu einer Emissionsreduzierung beiträgt.

Das Ziel des neuen Konzepts ist eine möglichst geringe Stressbelastung für die Schweine und mehr Wohlbefinden im Stall. Der Neubau sollte schon 2019 fertiggestellt sein, wegen der Corona-Pandemie gab es einige Verzögerungen. Für die Zukunft ist eine gesamte Umstellung des Betriebes geplant, der konventionell noch einige Altgebäude bewirtschaftet.

Ganzheitliches Denken im Betrieb

Der Landwirt hat auf seinem Betrieb schon seit vielen Jahren Erfahrungen mit intaktem Ringelschwanz gesammelt und sieht im Zeitraum der Ferkelaufzucht den wichtigsten Schlüssel zum Erfolg. Die Grundlagen für den Ringelschwanz werden nach seiner Überzeugung bereits während der Trächtigkeit gelegt. Daher hat er sich ganzheitlich dem Problem angenähert. Mit stetigem Blick auf die Bedürfnisse der Tiere hat er seine Ställe nach und nach umgebaut und leistet sich den vollständigen Kupierverzicht, das heißt, dass die Schwänze nicht mehr gekürzt werden, seit Herbst 2015. Den Erfolg begründet er unter anderem mit stets frisch verabreichtem Strukturfutter, Stressreduktion durch gezielte Strukturierung der Stallbereiche in Verbindung mit gutem Stallklima, das er durch die Kot-Harn-Trennung des Systems "Schweine Toilette" ermöglicht. Außerdem verzichtet er schon seit vielen Jahren auf die Kastration der Ferkel, indem er auf Ebermast umgestellt hat. Und für ihn ist auch wichtig, die Ökonomie immer im Blick zu behalten: also keine Systeme entwickeln, die Schweine produzieren die so viel Geld kosten, das am Markt keine Abnehmer gefunden werden.

Finanzierung mit Mitteln aus dem Bundesprogramm Nutztierhaltung

Auf dem Betrieb kann man sich davon überzeugen, dass Erkenntnisse aus Forschung und Praxis die Entwicklung eines völlig neuen Stallkonzepts begleitet und teilweise gefördert haben - und wie sich die Tiere im neuen Stall verhalten. Der Stallbau wurde mit 40 Prozent über die Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz gefördert, die Teil des Bundesprogramms Nutztierhaltung sind. Ralf Remmert hat in den Jahren von 2018 bis 2020 in dem Projekt in verschiedenen Themengebieten mitgearbeitet und ist seit vielen Jahren als Multiplikator in der Schweinehaltung unterwegs.

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Im Film erklärt Betriebsleiter Remmert die Familienhaltung von Schweinen, indem er zeigt, wie er seine Sauen mit Ferkeln hält und welches System er für die Zukunft plant.

Zum Film auf YouTube

Weitere Informationen

Von der Bühne in den Stall geschaut

MuD Tierschutz-Stall: Die ersten Schweine sind eingezogen

Zum Thema Ferkelkastration: Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration

Haltungsbereiche im Stall: Erleben Sie diese in unserem interaktiven Stallrundgang

In diesem Stall leben die Schweine in der Gruppe zusammen, Quelle: Ralf Remmert