Tierwohl ist ein Thema während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft

Deutschland hat am 1. Juli die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union übernommen.

Die Agrarpolitik gehört zu den ältesten Bausteinen und zentralen Säulen der Einigung Europas. Eine gemeinsame Agrarpolitik gab es lange vor Einführung des Binnenmarkts und einer gemeinsamen Währung. Schon in den Römischen Verträgen, das war 1957, wurde die gemeinsame Landwirtschaftspolitik beschlossen und 1962 trat sie in Kraft.

Europa blickt also auf 58 Jahre gemeinsame Agrarpolitik zurück. Das ist eine Verantwortung für die Zukunft, eine gemeinsame Politik zu erarbeiten. Der Agrarhaushalt macht mit 58,7 Milliarden Euro rund 36 Prozent des gesamten EU-Haushalts aus. Das ist der größte Einzelposten im europäischen Budget. Und warum das so ist: Es geht hier um die Ernährung von 450 Millionen Menschen – allein in Europa!

Auch die Bedeutung der gemeinsamen Agrarpolitik für das Zusammenwachsen in Europa wird häufig unterschätzt. Viele unterschiedliche Aspekte, die in der Land- und Ernährungswirtschaft eine Rolle spielen, sind über ganz Europa vernetzt. Weil das so wichtig ist, tagen die EU-Agrarministerinnen und Agrarminister häufig. Wie alle Politikfelder ändert sich Agrarpolitik und hat sich bereits massiv geändert.

Und auch die Ansprüche der Verbraucherinnen und Verbraucher ändern sich, unter anderem beim Thema Tierschutz und Tierwohl.

Ein europäisches Tierwohlkennzeichen voranbringen

Das Thema Tierwohl soll in Europa einen höheren Stellenwert bekommen. Deshalb möchte Bundesministerium Julia Klöckner ein einheitliches europäisches Tierwohlkennzeichen während der EU-Ratspräsidentschaft voranbringen. Es soll ein Tierwohlkennzeichen sein, das Verbrauchern an der Ladentheke die Entscheidung für mehr Tierwohl ermöglicht. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Tierwohl Geld kostet, ebenso wie andere Themen wie beispielsweise Umwelt- und Klimaschutz.

In Deutschland wurden bereits Kriterien für ein staatliches Tierwohlkennzeichen vorgelegt. Nun ist das europäische Parlament gefragt, sich damit zu beschäftigen. Die Niederlande und Dänemark haben auch ein Tierwohlkennzeichen. Im Vorfeld der EU-Ratspräsidentschaft hat die Bundeslandwirtschaftsministerin mit jedem einzelnen EU-Landwirtschaftsminister Gespräche dazu geführt, das Tierwohlkennzeichen auf die Tagesordnung zu setzen. Portugal hat bereits zugesagt, das Thema während der nächsten Ratspräsidentschaft weiterbearbeiten. Es ist nicht möglich, dass in einem halben Jahr ein fertiges Tierwohlkennzeichen mit allen Kriterien angenommen werde. Noch vor 5 Jahren wäre ein Tierwohlkennzeichen erst gar nicht auf die Tagesordnung bekommen. Das ist also ein guter Erfolg.

Zur Erinnerung: Die Eier-Kennzeichnung hat 10 Jahre gedauert.

Weitere Informationen

Das staatliche Tierwohlkennzeichen

Infografik zum staatlichen Tierwohlkennzeichen
In Deutschland wurden Kriterien für ein staatliches Tierwohlkennzeichen für die Schweinehaltung ausgearbeitet und bereits 2019 vorgestellt