Weniger Tierversuche durch Forschung

Im Jahr 2020 wird der Tierschutzforschungspreis für die Entwicklung eines Verfahrens vergeben, das zur Reduzierung von Versuchen an genetisch veränderten Mäusen im Bereich der Thrombose- und Entzündungsforschung beiträgt.

Der Tierschutzforschungspreis soll Forscherinnen und Forscher dazu anregen, nach Möglichkeiten zur Einschränkung oder zum Ersatz von Tierversuchen zu suchen. Daher schreibt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) diesen Forschungspreis aus. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Insbesondere Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sind jedes Jahr aufgefordert, sich zu bewerben. Gesucht werden Forschungsarbeiten, die dazu beitragen, Tierversuche zu ersetzen oder ihre Anzahl zu verringern.

Im Rahmen der Übergabe des 39. Tierschutzforschungspreises am 26. November 2020 wurde deutlich, dass zum jetzigen Zeitpunkt wegen der Zielkonflikte im Spannungsfeld der Humanmedizin und der Tiermedizin noch kein Verzicht auf Tierversuche möglich ist. Tierversuche sind in vielen Bereichen bei der Zulassung von Medikamenten auch noch vorgeschrieben und daher erforderlich. Forschung wie die jetzt ausgezeichnete führt jedoch zu einer deutlich geringeren Anzahl der verwendeten Versuchstiere. Die Forschung wird mit dem Ziel betrieben, in der breiten Medikamentenforschung eingesetzt zu werden.

Preisträgerin im Jahr 2020

In diesem Jahr erhält Frau Dr. Anne-Katrin Rohlfing von der Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Tübingen den Tierschutzforschungspreis für ihre Arbeit im Rahmen der "Entwicklung eines Verfahrens zur Reduzierung von Versuchen an genetisch veränderten Mäusen im Bereich der Thrombose- und Entzündungsforschung".

Frau Dr. Rohlfing befasste sich im Rahmen eines Forschungsprojektes mit der Entwicklung eines Zellkulturverfahrens, welches die Untersuchung genetisch veränderter Blutplättchen (Thrombozyten) ermöglicht. Neben der Blutgerinnung sind Thrombozyten zentral an der Entstehung von thrombotischen Erkrankungen (z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie) beteiligt. Die Vermeidung und Behandlung derartiger Erkrankungen nimmt einen erheblichen Stellenwert in der Versorgung von ambulanten und stationären Patienten ein.

Mit Hilfe des entwickelten Verfahrens könnten zukünftig vor der Planung und Durchführung von Tierversuchen wichtige Informationen bereits im Zellkulturverfahren gewonnen werden und auf diese Weise bis zu 40 Prozent weniger genetisch veränderte Mäuse im Rahmen dieser Versuche erforderlich sein. So könnte die Nutzung von Versuchstieren im Rahmen der Erforschung der genannten Erkrankungen insgesamt deutlich reduziert werden.

Hintergrundinformationen zum Tierschutzforschungspreis

Um in möglichst allen Bereichen, in denen Tierversuche durchgeführt werden, Alternativmethoden zu entwickeln und die zugehörige Forschung voranzutreiben, schreibt das BMEL jährlich den Tierschutzforschungspreis aus. Der Preis wird für innovative, zukunftsweisende wissenschaftliche Arbeiten ausgeschrieben, die einen Beitrag zur Entwicklung von Methoden und Verfahren leisten, durch die Tierversuche ersetzt oder eingeschränkt werden können (Replacement und Reduction). Entsprechend dem 3RPrinzip können nachrangig auch Methoden für die Verbesserung der Haltebedingungen von Versuchstieren oder für die Verminderung von Schmerzen, Leiden oder Schäden im Versuch (Refinement) ausgezeichnet werden. In den Arbeiten soll auch auf den biologischen Aussagewert der Ergebnisse für den Menschen eingegangen werden.

Schutz von Versuchstieren

Tierversuche dürfen nur dann durchgeführt werden, wenn entsprechende Methoden zum Ersatz oder zur Einschränkung von Tierversuchen nicht vorhanden sind. Eine EU-Richtlinie zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere erfordert zudem einen Beitrag der Mitgliedstaaten zur Entwicklung und Validierung derartiger Ansätze. Das Ziel des BMEL ist, Tierversuche auf das absolut notwendige Maß zu beschränken und die Versuchstiere bestmöglich zu schützen.

Zu den Maßnahmen des BMEL dafür gehören neben der Vergabe des Tierschutzforschungspreises unter anderem:

  • der Betrieb des Deutschen Zentrums zum Schutz von Versuchstieren,
  • die Forschungsförderung durch das Bundesinstitut für Risikobewertung,
  • die Unterstützung der Stiftung zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zur Einschränkung von Tierversuchen.

Möchten Sie mehr erfahren? Lesen Sie im Beitrag, was zum Beispiel zuletzt erforscht wurde, wer den Preis in den Jahren 2019 und 2018 erhalten hat und was das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren macht.

Weitere Informationen

Tierversuche vermeiden, verringern und Leiden reduzieren

Weiße Labormaus auf neutralem Untergrund mit Spiegelung
Mäuse sind oft verwendete Versuchstiere. Ziel der Forschung ist, Tierversuche durch alternative Methoden zu ersetzen und die Anzahl der verwendeten Versuchstiere dadurch zu vermindern, Quelle: Holger - stock.adobe.com